Ohne die Zubbelwieber wäre das Dorf um einiges ärmer: Sie spendeten in 25 Jahren viel Geld , das sie mit Handarbeiten einnahmen

Sie nennen sich die Zubbelwieber und haben schon hunderte Socken gestrickt, hunderte Schürzen genäht und hunderte Deckchen gestickt. Die Handarbeiten haben die Münchweierer Frauen jahrelang auf dem großen Herbstbasar im Pfarrhof verkauft und so in den vergangenen 25 Jahren zigtausend Mark (und natürlich Euro) umgesetzt.

Der erste große Basar hat am 23. Oktober 1983 stattgefunden: In einer Fotomappe haben die Frauen ihre Handarbeitsschau festgehalten: Sie hatten jede Menge Tücher bestickt, Patchworkdecken und Kinderkleider hergestellt, sogar bemalte Holzwiegen wurden angeboten. Durch den Verkauf ist mit den Jahren eine Menge Geld zusammengekommen: Allein für das neue Gemeindehaus, das 1996 fertig gestellt worden ist, haben die Frauen 100 000 Mark gespendet. 130 000 Mark waren es für die Renovierung der Heilig Kreuz Kirche wenige Jahre später. Auch der Kindergarten hat Geld bekommen und beim Neujahrsempfang durfte sich der Pfarrer immer auf eine Zuwendung freuen: So fasst Marianne Schnell, die langjährige Vorsitzende des Pfarrgemeinderats und Initiatorin der Aktionen, den Einsatz der Zubbelwieber für das Gemeinwesen zusammen.

Der Bau eines Gemeindehauses, heute Treffpunkt für alle Dorfbewohner, sei ein lang gehegter Wunsch der Münchweierer Bevölkerung gewesen, sagt Hildegard Winker, eine der Frauen. "Bis dahin mussten wir zum Feiern immer in die Turnhalle, die einfach keine Atmosphäre hatte. Da haben wir uns, daran gemacht, eine Alternative auf die Beine zu stellen — auf Initiative des damaligen Pfarrers Michael Cyzewski und von Wilhelmine Jässl, die vergangenes Jahr gestorben ist." Seither treffen sich die Frauen jeden Mittwoch im Ratssaal zum Handarbeiten. Anfangs waren es 45 Frauen in zwei Gruppen, dazu kamen Frauen, die nicht mit in der Runde saßen, aber zu Hause mit Wolle und Handarbeitsmaterial versorgt wurden und die fertigen Teile dann abgaben. "Das ist auch heute noch unser Außendienst" , scherzt Winker.

Auch am vergangenen Mittwoch haben sich die Zubbelwieber im Ratssaal getroffen, sich um einen langen Tisch gesetzt und gemeinsam gestrickt und gestickt. "Zubbeln heißt eigentlich, verworrene Fäden oder einen Knoten aufmachen" , sagt eine von ihnen. "Das passt gar nicht zu unserer Tätigkeit. " Aber es sei eben ein kerniges Wort, sagen andere in die Runde.

"Heute sind wir nur noch 15, alle anderen sind gestorben" , sagt Hildegard Winker. Deshalb sei das 25-jährige Jubiläum, das die Frauen nächste Woche feiern, auch mit Wehmut und Erinnerungen verbunden. "Früher, da haben wir Fasent gefeiert" , wirft eine Frau ein. Und heute? "Heute machen wir das nicht mehr, das ist vorbei" , sagen die Frauen etwas resigniert.

Auch den großen Basar haben sie im vergangenen Herbst zum letzten Mal ausgerichtet. "Wir können einfach nicht mehr so wie früher" , sagen die Zubbelwieber. Es seien ja nicht nur die Handarbeiten, die in großer Menge hergestellt werden müssten, sondern auch Kuchen der gebacken, Kaffee, der gekocht und Gäste, die bedient werden wollten. Überhaupt würden selbst gestrickte Sachen nicht mehr so gut verkauft. "Seit die T-Shirts so billig und die Winter so warm geworden sind, möchte das Selbstgestrickte niemand mehr" , sagt Hildegard Winker. Immerhin: Dem Weihnachtsmarkt rund ums Rathaus bleiben die Zubbelwieber treu. "Das schaffen wir noch" , sagen sie. Die Qualität ihrer Socken sei nach wie vor bekannt. Stammkunden würden immer noch Arbeiten in Auftrag geben. "Päb" seien sie immer gewesen, geizig, was das zusammengesparte Geld anging. Wer in der Gruppe Dinge für sich selbst produzierte, musste diese abkaufen. Auch Ausflüge und Feiern hat jedes Mitglied selbst gezahlt. "Wir mussten doch etwas zusammenbekommen für unsere Projekte" , so sehen das die Frauen auch heute. Am Dienstag feiern sie ihr Jubiläum mit einem Gedenkgottesdienst und Kaffee und Kuchen. Auch wenn sie viele aus ihrer Runde vermissen, möchten sie fröhlich sein. Hildegard Winker: "Wir waren immer schon ein lockerer Haufen" .

Quelle: 
Badische Zeitung